IG Metall-Befragung: Arbeitszeiten müssen zum Leben passen

  • 16.05.2017
  • Aktuelles

Frankfurt am Main/Wolfsburg - Die Menschen wollen Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen. Tarifverträge und Mitbestimmung haben hier Wichtiges geleistet: 70,9 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrer momentanen Arbeitszeit zufrieden oder zumindest eher zufrieden. Doch auch diese Beschäftigten fordern mehr Selbstbestimmung in der Arbeitswelt von morgen. Das ist ein Ergebnis der Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an der bundesweit 681.241 Beschäftigte in gut 7.000 Betrieben teilgenommen haben.

Hartwig Erb

"Die Meinung und Wünsche unserer Mitglieder sind für uns ein klarer Arbeitsauftrag. Je nach Betrieb finden wir unterschiedliche Voraussetzungen, in einem Punkt sind sich jedoch die Arbeitnehmerinnen und  Arbeitnehmer einig: Sie wollen Verlässlichkeit. Und die bieten letztendlich Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen", sagte Hartwig Erb, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Wolfsburg.

"Wir brauchen arbeitszeitpolitisch neue Antworten für die Arbeitsgesellschaft von morgen. Dabei ist die 35-Stunden-Woche für die große Mehrzahl der Beschäftigten die Wunscharbeitszeit. Wir müssen das Mantra der Arbeitgeber: Vollzeit plus Überstunden plus Flexibilität plus Leistungsdruck durchbrechen. Das sind keine Arbeitszeiten, die zum Leben passen. Die Beschäftigten wollen mehr Selbstbestimmung anstatt Fremdbestimmung in der Arbeitszeit", sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Dienstag in Frankfurt.

Die große Mehrheit (67,9 Prozent) der Beschäftigten wünscht sich die 35-Stunden-Woche oder kürzere Arbeitszeiten. So will jeder Fünfte (20,2 Prozent) die Vollzeitarbeit auf weniger als 35 Stunden reduzieren.

Mehr als vier von fünf Befragten (82,3 Prozent) sind der Auffassung, dass es gut wäre, die Arbeitszeit zeitweise absenken zu können, etwa für die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildung. Dafür erwarten die Beschäftigten einen finanziellen Ausgleich.

"Das Votum der Beschäftigten ist eindeutig: Sie setzen auf eine Umverteilung der Arbeitszeit entlang des Lebenslaufes. Dieser arbeitszeitpolitische Aufbruch kann weder durch den Einzelnen noch durch einzelne Betriebsräte durchgesetzt werden. Dazu sind verlässliche tarifliche und gesetzliche Regelungen nötig", sagte Hofmann.

Auch wenn die Arbeitszeitrealitäten in den Betrieben und Abteilungen unterschiedlich sind, so bestimmen doch die gleichen Faktoren über die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit. Von den Befragten, die mit ihrer Arbeitszeit zufrieden sind, haben mehr als 90 Prozent (93,6 Prozent) planbare Arbeitszeiten. Von jenen, die sich unzufrieden zeigen, gilt dies nicht einmal für jeden Zweiten (48,1 Prozent). In der Gruppe der Unzufriedenen klagen 37,7 Prozent über überlange Arbeitszeiten von über 40 Stunden, fast zwei Drittel (62,0 Prozent) geben an, dass sie sich ständig gehetzt und unter Zeitdruck fühlen.

Gefordert ist nun eine Arbeitszeitpolitik, die jene Faktoren stärkt, die die Arbeitszeitzufriedenheit erhöhen und jene eingrenzt, die zur Unzufriedenheit mit der Arbeitszeit führen, betonte der IG Metall-Vorsitzende: "Ob Beschäftigte zufrieden oder unzufrieden sind mit ihrer Arbeitszeit, darauf haben überall dieselben Faktoren Einfluss. Egal, ob Schichtarbeiter oder Einkäuferin - für alle gilt: Sie wollen selbstbestimmte Arbeitszeiten. Das zeigt die Befragung sehr eindrucksvoll."

Wie dies konkret umgesetzt werden kann, wird in den nächsten Monaten in den Betrieben und den Tarifkommissionen intensiv debattiert werden.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.igmetall.de/presse