Interview mit Helge Fahr und Stephan Klages

Zu den Wahlen im Autohaus Wolfsburg und Autohaus Kühl

27.02.2026 | WIR im Gespräch mit Helge Fahr, Betriebsratsvorsitzender und Stephan Klages, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender.

Stephan Klages und Helge Fahr

WIR: Hi Helge, hi Stephan. Die deutsche Wirtschaft, speziell die Industrie, durchlebt eine Krise. Wie wirkt sich das auf einen mittelständischen Betrieb wie das Autohaus Wolfsburg aus? Wie ist die Lage derzeit bei euch?

Helge: Wir machen zwar keine Freudensprünge, die wirtschaftliche Lage ist aber dennoch in Ordnung. Aber natürlich bekommen auch wir als Autohaus speziell im Handel die Auswirkungen der Krise zu spüren. Das Sparprogramm bei Volkswagen wirkt sich natürlich auch auf unser Geschäft aus. 

Stephan: Wir befinden uns schließlich mitten im Speckgürtel von VW. Wenn dort der Gürtel enger geschnallt wird, betrifft das die ganze Region – und damit unsere Kunden. Wir erleben deswegen definitiv eine Kaufzurückhaltung, vor allem auch im Premiumsegment. 

WIR: Nun gab es ja viele Befürchtungen, dass der Wandel zur E-Mobilität das Geschäft der Werkstätten und Autohäuser negativ beeinflussen wird. Wie sind da eure Erfahrungen?

Helge: Wir haben ehrlich gesagt mit deutlich Schlimmerem gerechnet, das ist aber so zum Glück nicht eingetreten. Viele Software-Probleme in den neuen Fahrzeugen sorgen sogar für eine recht gute Auftragslage in den Werkstätten.

Stephan: Ein Thema, welches durch die E-Mobilität noch stärker in den Fokus gerückt ist, ist die Qualifizierung der Beschäftigten. Da sind wir allerdings auf einem sehr guten Weg. Dennoch bleiben die Themen Weiterbildung und Qualifizierung natürlich auch in der kommenden Wahlperiode ein wichtiger Teil unserer Agenda.

WIR: Ihr beide seid schon lange im Betriebsrat aktiv. Was sind denn die wichtigsten Erfolge der vergangenen Jahre?

Helge: Da sind an erster Stelle natürlich unser Haustarifvertrag und die guten Tarifabschlüsse zu nennen. Auch zuletzt konnten wir ein Entgeltplus erreichen. Zudem haben wir es geschafft, einen Tag zusätzlichen Sonderurlaub als Bonus für IG Metall-Mitglieder auszuhandeln. Neben einem attraktiven Fahrradleasing gibt es bei uns auch die Möglichkeit, einen Teil des Urlaubsgeldes in zusätzliche freie Tage zu wandeln. Diese Tarifregelungen sind ein wichtiger Baustein, die das Autohaus als Arbeitgeber in Zeiten von Fachkräftemangel weiter attraktiv halten. Das darf man nie vergessen.

Stephan: Zudem ist es uns gelungen, dass bei uns entgegen des Trends Personal nur in einem sehr geringen Umfang reduziert wurde. Ein weiterer Abbau ist – auch laut Geschäftsführung – nicht geplant. Aber natürlich werden wir genau da ein Auge draufhaben.

WIR: Damit hast du schon eine Aufgabe für die nächste Wahlperiode angesprochen. Was habt ihr euch denn noch vorgenommen, welche Herausforderungen seht ihr?

Stephan: Die Sicherung der Arbeitsplätze und eine gute Tarifpolitik stehen an erster Stelle. Wir wollen auch weiterhin gute Tarifabschlüsse erreichen, welche zumindest die Inflation ausgleichen und damit keinen Reallohnverlust für unsere Kolleginnen und Kollegen bedeuten.

Helge: Zudem liegt uns das Thema Ausbildung sehr am Herzen. Mit 70 bis 80 Azubis pro Jahr sind wir einer der größten Ausbildungsbetriebe der Region. Die Ausbildungsplätze wollen wir weiter erhalten. Wir setzen uns generell für eine schnellere Entfristung von Arbeitsverhältnissen ein, um unseren Kolleginnen und Kollegen Sicherheit zu geben und speziell junge Fachkräfte im Unternehmen zu halten. 

WIR: Warum ist eine starke, gewerkschaftlich verankerte Mitbestimmung so wichtig?

Stephan: Damit wir einseitige Entscheidungen des Unternehmens verhindern können und die Interessen der Kolleginnen und Kollegen gehört werden. 

Helge: Wie wichtig eine starke Mitbestimmung und die gewerkschaftliche Unterstützung sind, zeigt schon eine schnelle Gegenprobe. Wenn wir auf die Betriebe ohne Betriebsrat in unserer Branche schauen, ist dort oftmals nicht nur die wöchentliche Arbeitszeit höher, sondern auch das Entgelt niedriger. Die Entgelte unserer Kolleginnen und Kollegen liegen in nicht-tarifgebundenen Betrieben des Kfz-Handwerks häufig tatsächlich nur auf Mindestlohn-Niveau. Ich kann deswegen nur jedem Beschäftigten raten, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen und die Betriebsräte mit einem starken Votum auszustatten.

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