IG Metall Wolfsburg
21.09.2026 | Der IG-Metall-Wohnbezirk Wolfsburg-Ost gedenkt des Vorsfelder Arbeiterführers Ludwig Klingemann, der 1942 dem Terror des NS-Regimes zum Opfer fiel. Als sichtbares Zeichen gegen das Vergessen trägt das historische Amtshaus in Vorsfelde, in dessen Räumlichkeiten die Mitglieder des IG Metall Wohnbezirks Wolfsburg Ost" oft zusammenkommen, heute seinen Namen. Wo einst Amtsstuben waren, beleben heute Vereine und Initiativen das „Ludwig-Klingemann-Haus“ im Geiste von Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt, wer Ludwig Klingemann war und warum wir Metallerinnen und Metaller an ihn erinnern möchten:
Ludwig Klingemann
Arbeiterführer, USPD- und SPD- Ortsvereinsvorsitzender, Gemeinderatsmitglied und Kreistagsabgeordneter bis 1933, wurde 1942 von den Nationalsozialisten ermordet.
Nach dem 1. Weltkrieg begann Klingemann sich politisch zu engagieren und wurde 1919 Ortsvorsitzender der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Im selben Jahr zog er für die Partei in den Gemeinderat Vorsfelde ein, wo er sich zunächst für Wohnraumangelegenheiten und Lebensmittelverteilung einsetzte. Klingemann war Mitglied des Gemeinderates von 1919-1933, Mitglied des Wahlvorstandes und ab Mitte der 20er Jahre auch Kreistagsabgeordneter für die SPD im Kreistag Helmstedt. Ludwig Klingemann war darüber hinaus an der Entwicklung des Vorsfelder Konsumverein beteiligt. Klingemann stellte immer die Interessen des Ortes über Partei- oder Klasseninteressen.
Die öffentlichen Aktivitäten Klingemanns wurden im Frühjahr 1933 abrupt beendet. Nach der Machtergreifung wurde der führende Sozialdemokrat zu einem Hauptziel der örtlichen Nationalsozialisten. Von der SS verhaftet, nach Helmstedt verschleppt und dort misshandelt, sah sich Klingemann, wie auch alle anderen Vorsfelder Sozialdemokraten, Ende März 1933 gezwungen, seine politischen Mandate niederzulegen.
Die Arbeitervereine wurden verboten, der SPD- Ortsverein löste sich unter den allgemeinen Druck und Terror am 30. März 1933 selbst auf. Der Familie Klingemann wurde im Sommer 1933 die Wohnung gekündigt. Klingemann blieb jedoch in Vorsfelde und zog sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück, war allerdings nicht bereit, sich dem neuen System anzupassen. Zum Eintritt in die SA- Reserve gezwungen, weigerte er sich, die Uniform zu tragen, den Hitlergruß erwiderte er nicht. Dieser Ausdruck von Zivilcourage machte Klingemann zum Ärgernis der neuen Machthaber und zum Opfer fortgesetzter Verfolgung. Immer wieder wurde er beobachtet und denunziert, verhaftet, verschleppt und misshandelt, die Wohnung der Familie durchsucht, er selbst und seine Familie auch im privaten Bereich angefeindet. Im Jahre 1942 wurde Ludwig Klingemann erneut von der Vorsfelder SS- und SA Männern „verhaftet“ nach Schöningen in das Gasthaus „Schwarzer Adler“ gebracht und dort zu Tode geprügelt. Klingemann starb am 12. Juni 1942.
Zu einem Gerichtsverfahren gegen seine Mörder ist es nie gekommen.
(Quelle: Stadtarchiv Wolfsburger Texte zur Geschichte Wolfsburgs Band 26/ Seite 122)
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