IG Metall Wolfsburg
20.02.2026 | Rund 340 Menschen sind bei Sonae Arauco in Nettgau in Sachsen-Anhalt beschäftigt. In der kurz nach der Jahrtausendwende neu gebauten Fabrik, in der Span- und OSB-Platten gefertigt werden, wird rund um die Uhr - 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche - gearbeitet. Dementsprechend hoch ist das Arbeitspensum der Kolleginnen und Kollegen.
Aus der 39 Stunden Wochenarbeitszeit kommen wegen des dauerhaften Fabrikbetriebs jährlich über 30 Zusatzschichten und über 30 Sonntage als Arbeitstage dazu. Damit liegen die Beschäftigten bei Sonae in Nettgau deutlich über dem Arbeitszeitniveau der Branche in ganz Deutschland.
Verständlich und gerecht also, dass der Betriebsrat und die IG Metall seit geraumer Zeit für eine Absenkung der Arbeitszeit kämpfen. Nach jahrzehntelang vergeblichen Bemühungen gelang in diesem Mai bei den Tarifverhandlungen nun endlich der Durchbruch. Der hart erkämpfte Abschluss sieht vor, dass die Wochenarbeitszeit zum 1. Januar 2027 zunächst auf 38 Stunden und dann bis 2035 in zwei weiteren Schritten auf letztlich 36 Stunden gesenkt werden soll.
„Die lange Laufzeit und den aktuellen Facharbeitermangel haben wir in der Mitgliederversammlung intensiv diskutiert und darüber abgestimmt, ob wir uns mit dem Ergebnis zufriedengeben. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage, haben wir das Maximale herausgeholt. Das ist endlich der lange überfällige Schritt in die richtige Richtung“, bewertet der Betriebsratsvorsitzende Detleff Bill den Tarifabschluss. Das gilt vor allem angesichts der Historie, mit der Bill bestens vertraut ist. Seit 1990 ist er im Betrieb - damals noch die Glunz AG in Triangel im Landkreis Gifhorn – beschäftigt, seit 1993 ist er Betriebsrat und hat etliche Verhandlungsrunden miterlebt. Jeder kleine Erfolg musste hart erkämpft werden.
Das zeigte sich auch diesmal wieder. Bereits 2023 wurde der Manteltarifvertrag von der IG Metall gekündigt. Seitdem gab es eine Hängepartie. „Das Unternehmen wollte sich während der Friedenspflicht 11 Monate gar nicht bewegen“, berichtet Bill. Schließlich kündigte das Unternehmen sogar ein im Herbst letzten Jahres vereinbartes Eckpunktepapier zur Verkürzung der Arbeitszeit im Februar diesen Jahres wieder auf. Erst jetzt im Mai 2025, konnte die IG Metall die Arbeitgeberseiten während eines 2-tägigen Verhandlungsmarathons zum Einlenken bewegen – und holte neben der Verkürzung der Wochenarbeitszeit sogar noch weitere Verbesserungen raus: Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden auf niedersächsisches Niveau erhöht, die Friedenspflicht wird von 5 Monaten auf sechs Wochen verkürzt, was die Position der Arbeitnehmerseite für künftige Verhandlungen deutlich verbessert. Und schließlich wurde auch der dreiste Angriffsversuch auf die bezahlte Pause abgewehrt. „Da hat das Unternehmen versucht, die Arbeitszeitverkürzung aus der Tasche der Kolleginnen und Kollegen zum großen Teil wieder einzukassieren. Das machten wir natürlich nicht mit“, stellt Bill klar.
Nach dem Erfolg bei Sonae Arauco in Nettgau, geht der Kampf nun in Brandenburg im Werk Beeskow und dann bei der Tool GmbH weiter. Bei der Tool GmbH in Nettgau sind die rund 60 Kolleginnen und Kollegen und über alle Werke ca. 125 ausgegliedert, die in den Fabriken die Logistik regeln. „Dort gibt es sogar immer noch eine 40 Stunden Woche. Auch da werden wir natürlich für eine Verkürzung der Arbeitszeit auf das gleiche Niveau kämpfen“, kündigt Bill bereits an.
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