IG Metall Wolfsburg
04.02.2026 | Bis zu 13 Stunden mit Pausen arbeiten, wenn viel zu tun ist? Praktisch, finden Arbeitgeber. Die Bundesregierung zieht mit und will den 8-Stunden-Tag abschaffen. Wir sagen: Hände weg!
Die Bundesregierung hat das Arbeitszeitgesetz im Visier und will den 8-Stunden-Tag abschaffen. Die maximale Arbeitszeit pro Tag soll länger werden. Sie nennt das “Flexibilität” und “Vereinbarkeit”. Doch was erst einmal gut klingt, ist in Wahrheit ein unverschämter Angriff auf unsere Zeit und Gesundheit.
“Die Debatte um eine Reform oder gar die Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes ist absurd, kontraproduktiv und widerspricht der Realität in den Betrieben. Schon das dahintersteckende, von der Merz-Regierung und den Arbeitgebern forcierte Narrativ der zu „faulen“ deutschen Arbeitnehmer, hält einer einfachen Überprüfung nicht stand. So liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland bei 40,2 Stunden und damit auf EU-Niveau. Das die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen darunter liegt, liegt an einer strukturell bedingt hohen Teilzeitquote – beispielweise aufgrund hunderttausender fehlender Kita-Plätze oder zu wenig Pflegepersonal. Die Behebung dieser Mängel wäre also ein deutlich effektiverer Hebel, um die Produktivität in Deutschland zu steigern. Man gewinnt den Eindruck, dass hier wieder einmal politische Versäumnisse auf den Rücken der Arbeitnehmer abgewälzt werden sollen. Hinzu kommt ein enormes Maß an Überstunden. 2024 wurden in Deutschland 1,2 Millionen Stunden Mehrarbeit geleistet - über die Hälfte davon unbezahlt,” betont Flavio Benites, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Wolfsburg.
Christian Matzedda, Zweiter Bevollmächtigter, fügt hinzu: “Das Arbeitszeitgesetz schützt vor Ausbeutung, dient dem Gesundheitsschutz und basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bei einer Überschreitung einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden steigt das Unfallrisiko beträchtlich, ab 12 Stunden verdoppelt es sich sogar. Hinzu kommen die Langzeitfolgen und ihre Kosten. Überlange Arbeitstage erhöhen die Belastung, führen zu Stress und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Industrie ist oftmals von harter, körperlicher Arbeit und Schichtbetrieb geprägt. Jeder, der schon einmal solch eine Tätigkeit ausgeübt hat, weiß, wie weltfremd eine Erhöhung der täglichen Arbeitszeit über 10 Stunden hinaus ist. Angesichts der ebenfalls geführten Debatte über die hohen Krankschreibungen erscheint die Abschaffung von bewährten Gesundheitsschutzstandards deswegen besonders absurd.”
“Scheinbar bewusst ignoriert wird zudem, dass es bereits heute reichlich Mittel und Wege für eine Flexibilisierung von Arbeitszeiten gibt. Schon das Arbeitszeitgesetz in seiner jetzigen Form ist kein starres Korsett. Ausnahmen von bis zu zehn Stunden Arbeit täglich sind beispielsweise möglich, wenn im Ausgleich der Acht‑Stunden‑Schnitt eingehalten wird. Sogar 12-Stunden‑Tage sind unter Wahrung der Mitbestimmung sowie der Ruhezeiten für bestimmte Branchen und Tätigkeiten möglich.,” ergänzt Matthias Disterheft, Kassierer der IG Metall Wolfsburg. “Daneben bieten zusätzlich unsere Tarifverträge ausreichend weiteren Raum für Flexibilisierung. Wochenarbeitszeiten, Mehrarbeit, mobile Arbeit, Lebensarbeitszeitkonten oder flexible Schichtmodelle sind heute vielfach geregelt - und zwar zwischen den Tarifpartner, passgenau ausgerichtet auf Anforderungen und Realitäten in den jeweiligen Betrieben. Statt auf politische Vorgaben zu setzen, sollte man die Ausgestaltung der Details weiter den Tarifpartnern überlassen. Andernfalls würde eine gesetzliche Aufweichung der Schutzstandards diejenigen am härtesten Treffen, die heute schon in Unternehmen ohne Betriebsrat und Tarifvertrag arbeiten müssen. Ausbeutung und Tarifflucht würde damit Tür und Tor geöffnet,” so Disterheft weiter.
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