Tariferfolg

Beschäftigte der Autohaus-Gruppen Hotz und Heitmann sowie Kühl erhalten mehr Geld und einen spürbaren Mitgliedervorteil

14.08.2025 | In den Tarifverhandlungen um die Haustarifverträge für die Beschäftigten der Autohaus-Gruppen Hotz und Heitmann in Wolfsburg sowie Kühl in Gifhorn und Hildesheim haben die IG Metall und die Arbeitgeberseite eine Einigung erzielt. Damit steigen die Entgelte in drei Schritten. Mehr Geld gibt es auch für Auszubildende! Zudem konnte erstmals ein Vorteil exklusiv für IG Metall-Mitglieder vereinbart werden.

V.l.n.r.: Harald Errerd (IG Metall), Helge Fahr (Betriebsratsvorsitzender), Daniel Zuleger (Geschäftsführer) mit den Betriebsratsmitgliedern Stephan Klages, Wiebke Filipiak und Marco Fioravanti

Beschäftigte des Autohauses Hotz und Heitmann feiern den Tarifabschluss mit einem gemeinsamen Eis-Essen.

Das Kfz-Handwerk befindet sich in einer Phase doppelter Beanspruchung. Einerseits stemmen die Autohäuser Hotz und Heitmann sowie Kühl eine hohe Auslastung in den Werkstätten. Die Termine sind knapp und in allen Bereichen arbeiten die Beschäftigten täglich am Anschlag.

„Andererseits wirkt auch die Transformation der Mobilität direkt in unsere Betriebe hinein“, berichten die Geschäftsführer beider Autohaus-Gruppen, Michael Bröning, Ralph Buchweitz und Daniel Zuleger: „Volkswagen fokussiert sich auf Elektromobilität, digitalisierte Fahrzeugsysteme und eigene neue Vertriebskanäle. Diese strukturellen Folgen bekommen unsere Autohäuser zu spüren: Neue Anforderungen im Verkauf, weniger planbare Arbeitsabläufe, steigende Komplexität in der Fehlerdiagnose und erhöhter Zeitdruck machen unseren Mitarbeitern zu schaffen und belasten die Ergebnisse.“ Die Geschäftsführer der beiden Autohäuser unterstreichen: „Dennoch haben wir gemeinsam eine Tarifeinigung erzielt, die den besonderen Belastungen im Werkstatt-Alltag und den Veränderungen in den Büros Rechnung trägt.

„Unsere Kolleginnen und Kollegen stemmen täglich unzählige Herausforderungen – mit Know-how, handwerklicher Präzision und großem Verantwortungsbewusstsein“, sagt auch Helge Fahr, Betriebsratsvorsitzender der Autohaus-Gruppen. Er berichtet, dass die Leistungsverdichtung in den Werkstätten und Büros enorm sei: „Die Hersteller kalkulieren ihre Vorgabezeiten immer knapper. Daraus entsteht eine starke Arbeitsverdichtung, weil die Vorgabezeiten die Realität einfach nicht mehr widerspiegeln.“

Die Tarifparteien sind sich einig: Diese Arbeit verdient Anerkennung. Aus diesem Grund haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung in der dritten Verhandlungsrunde auf eine Entgeltsteigerung in mehreren Stufen verständigt. In der Zeit vom 01.07.2025 bis zum 30.06.2027 – mit einer Laufzeit von 24 Monaten – erhöhen sich die Entgelttabellen in drei Stufen im Umfang von 5,6 Prozent (Autohaus Kühl-Gruppe 6,1 %).

Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich ebenfalls für alle Ausbildungsjahrgänge ab Januar 2026. Hierbei steigen die Ausbildungsvergütungen in einer Spanne von +50 Euro bis zu +125 Euro pro Monat und Ausbildungsjahr. 

Weiterhin konnte ein Mitgliedervorteil durchgesetzt werden, so Harald Errerd von der IG Metall Wolfsburg: „In den Jahren 2025, 2026 und 2027 sind Heiligabend und Silvester für Mitglieder der IG Metall bezahlt frei. Nicht-Mitglieder müssen hierfür jeweils einen halben Tag Urlaub nehmen. Dieses führt insgesamt zu 3 Urlaubstagen, die Metallerinnen und Metallern zusätzlich zur freien Verfügung stehen, ohne auf gemeinsame freie Zeit mit Familie und Freunden an diesen Tagen verzichten zu müssen.“

„Das ist ein gutes Ergebnis“, sagt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Neben einer stabilen Entgeltsteigerung konnte erstmals auch ein spürbarer Mitgliedervorteil durchgesetzt werden. Mit 3 zusätzlich zur freien Verfügung stehenden Urlaubstagen, ist dies eine hohe Wertschätzung den Kolleginnen und Kollegen gegenüber, die sich mit ihrer Mitgliedschaft für gute und faire Arbeitsbedingungen einsetzen.“ 

„Gute tarifliche Regelungen steigern die Attraktivität des Kfz-Gewerbes für qualifizierte und motivierte Fachkräfte“, so der Verhandlungsführer. „Schließlich geht es darum, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und eine hochwertige Aus- und Weiterbildung in Zeiten der Transformation zu garantieren.“

„Elektromobilität, autonomes Fahren und vernetzte Mobilität verändern das Kfz-Gewerbe in einem bislang unbekannten Tempo. Uns ist bewusst, dass wir uns aktuell in einer herausfordernden Marktlage mit rückläufigen Neuwagenverkäufen, schwankender Werkstattauslastung und steigenden Energiekosten befinden. Die nun erzielte Tarifeinigung bedeutet für unsere Unternehmensgruppen zusätzliche Personalkosten im unteren Millionenbereich über die Laufzeit des Vertrages“, so die Geschäftsführer beider Autohaus-Gruppen. „Gleichzeitig sehen wir diese Transformation als Chance, unsere Betriebe zukunftsfest aufzustellen. Unser Ziel ist es, den Wandel sozialverträglich zu gestalten, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Der Fokus liegt dabei klar auf unserem wichtigsten Erfolgsfaktor – unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ihre Qualifikation, ihr Engagement und ihre Anpassungsfähigkeit sind die Basis dafür, dass wir auch künftig erfolgreich am Markt agieren können.“

 

Hintergrund: 

Das Kraftfahrzeuggewerbe ist eine bedeutende Branche, nicht nur in der Region SüdOstNiedersachsen. In den Autohäusern Hotz und Heitmann sowie bei Kühl arbeiten rund 1.600 Menschen. Deutschlandweit sind ca. 439.000 Beschäftigte in 36.600 Werkstätten und Autohäusern tätig. Darüber hinaus ist das Kfz-Gewerbe mit fast 93.000 Auszubildenden eine tragende Säule der beruflichen Bildung. 

Die Autohäuser Hotz und Heitmann sowie Kühl sind ausgezeichnet als AutohausFair. Dieses von der IG Metall vergebene Siegel unterstreicht gute tarifliche Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung durch einen Betriebsrat und Zukunftssicherung durch eigene Ausbildung. 

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