Delegiertenversammlung der IG Metall Wolfsburg

Industrie unter Druck: Es braucht einen klaren Kompass und eindeutige Forderungen

25.03.2026 | Klare Kante auf der Delegiertenversammlung der IG Metall Wolfsburg: Thorsten Gröger, IG Metall-Bezirksleiter, war im Congress Park zu Gast und bezog in einer programmatischen und leidenschaftlichen Rede deutlich Stellung zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage.

IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger: "Wer auf dem europäischen Markt Geld verdienen will, der muss hier auch Wertschöpfung betreiben und für gute Beschäftigung sorgen."

Unsere Industrie steht unter Druck: Transformation, geopolitische Konflikte, steigende Energiepreise führen zu wachsender Unsicherheit – das spüren die Beschäftigten jeden Tag. In dieser Zeit braucht es einen klaren Kompass und eindeutige Forderungen. Genau das lieferte Gröger zu den drängendsten aktuellen Themen.

Angefangen beim Thema Krieg. „Wir als Deutsche, wir als Gewerkschafter, wir tragen eine besondere historische Verantwortung. Wir wissen aus unserer dunkelsten Geschichte: Krieg ist niemals die Lösung. Niemals. Immer wenn man in der Geschichte auf Kriege gesetzt hat, um politische oder wirtschaftliche Ziele zu erreichen, ist das schief gegangen! Es endete in Trümmern, in Elend und in Generationen, die ihre Zukunft verloren haben. Ein stabiles Industrieland braucht Stabilität in der Welt. Wer den Frieden gefährdet, gefährdet das Fundament unserer Arbeit! Und deshalb ist für uns klar: Wir stehen fest an der Seite des Völkerrechts“, so Grögers Plädoyer für den Frieden.

In Bezug auf die weltwirtschaftliche Lage mit der US-Zollpolitik und Handelskriegen unterstrich Gröger die Forderung der IG Metall nach sogenannten Local-Content-Strategien. „Europa darf nicht das Opferlamm der Weltwirtschaft sein. Wenn die Weltmärkte nicht mehr nach den Regeln der Fairness spielen, dann brauchen wir eine eigene Strategie. Und diese Strategie heißt: Local Content. Wer auf dem europäischen Markt Geld verdienen will, der muss hier auch Wertschöpfung betreiben und für gute Beschäftigung sorgen“, so Gröger.

Die seit Monaten immer wiederkehrenden Diskussionen um den Sozialstaat, Arbeitnehmerrechte und Arbeitszeit benannte Gröger klar als unnötige „Scheindebatte“. „Die Zukunft unserer Industrie entscheidet sich nicht daran, ob Menschen ein paar Tage länger arbeiten. Sie entscheidet sich daran, ob wir investieren, ob wir innovieren und ob wir industrielle Wertschöpfung sichern. Und genau deshalb sage ich ganz klar: Der Sozialstaat ist kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leisten kann. Er ist ein Fundament unserer wirtschaftlichen Stärke. Er sorgt für Stabilität, Sicherheit und dafür, dass Menschen bereit sind, Veränderungen mitzugehen“, betonte der Bezirksleiter.

Wohlstand entstehe nicht durch Sparen am Sozialstaat und das Aushöhlen von Arbeitnehmerrechten, sondern durch gute Arbeit, starke Industrie und kluge Politik. Allen voran nannte Gröger hier das Thema bezahlbare Energie. „Wer Energie nicht bezahlbar hält, gefährdet Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Wir müssen unabhängiger werden – mit Wind, Sonne, Wasserstoff und Stromproduktion aus eigener Hand. Jede Kilowattstunde aus Europa macht uns weniger erpressbar.“
Im gleichen Atemzug ging Gröger auch auf die steigenden Benzinkosten ein. Die klare Forderung an die Politik: „Deckelt die Spritpreise! Wir brauchen einen staatlichen Schutzschirm gegen die Gier der Energiekonzerne. Mobilität zur Arbeit ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung für Industrie!“

Auch eine Kampfansage für die Zukunft hatte der Bezirksleiter mitgebracht. „Wir sind das industrielle Herz. Und ein Herz hört nicht einfach auf zu schlagen, nur weil die Börsenkurse gerade nicht passen. Wir werden weiter zeigen, was Solidarität bedeutet. Auf eine kämpferische Zeit! Für den Frieden, für unsere Arbeitsplätze und für eine soziale Zukunft!“

Dass die IG Metall bei allen politischen Wirren weiterhin den dafür notwendigen Rückhalt in den Belegschaften besitzt, machte ein Blick auf die laufenden Betriebsratswahlen deutlich. Nicht nur in Wolfsburg, sondern im ganzen Bezirk hat die IG Metall bisher starke Ergebnisse eingefahren. Dafür gab es auf der Delegiertenversammlung viel Lob und Dank an alle Betriebsräte und Kandidierenden. 

Schließlich wurden noch personelle Veränderungen für die Geschäftsstelle verkündet. So wurde Dr. Claudia Richter, aktuelle Betriebsratsvorsitzende der CARIAD, als Nachfolgerin von Dr. Stefan Hentze in den Ortsvorstand gewählt. Weiterhin wurde die Politische Sekretärin Katja Brammertz unter viel Applaus verabschiedet. Sie wechselt aus der Geschäftsstelle Wolfsburg in die Bezirksleitung nach Hannover. 

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