IG Metall Wolfsburg
20.02.2026 | Der Arbeitskreis der Schwerbehindertenvertretungen (SBV) hatte mit jetzt Annetraud Grote einen hochkarätigen Gast zum Tagesseminar eingeladen. Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung hielt einen spannenden und emotionalen Impulsvortrag und ging anschließend mit den Mitgliedern des Arbeitskreises in den Austausch.
Annetraud Grote eröffnete den Vortrag, in dem sie deutlich machte, vor welchen strukturellen Herausforderungen wir aktuell stehen. Trotz Fachkräftemangel und steigender Arbeitslosenzahlen haben es Menschen mit Behinderungen weiterhin deutlich schwerer, Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden, selbst bei gleicher Qualifikation und vergleichbaren Voraussetzungen. Sie sprach offen über bestehende Hürden, Vorbehalte und Benachteiligung und betonte, dass Inklusion verlässliche Rahmenbedingungen braucht. Umso wichtiger seien Menschen, die sich konstant dafür engagieren, das Thema Inklusion erfahrbar zu machen und in den Fokus zu rücken.
Ihr Vortrag wurde im weiteren Verlauf persönlicher. Grote schilderte ihren eigenen Lebensweg mit Behinderung und wie diese Erfahrungen ihr Engagement geprägt haben. Ihre Perspektive machte deutlich, wie entscheidend Sichtbarkeit, Selbstbehauptung und politische Einflussnahme für echte Teilhabe sind. Dabei war spürbar, mit wie viel Leidenschaft und Konsequenz sie sich auf Landesebene für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzt.
Ein Schwerpunkt ihrer jahrelangen Arbeit ist der DUOday, ein Aktionstag an dem Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Beschäftigten in Unternehmen einen Arbeitsalltag verbringen. Das Ziel dieser Aktion ist es, Einblicke zu ermöglichen, Kontakte zum Arbeitsmarkt zu schaffen und vor allem Vorurteile abzubauen. Solche Aktionstage können neue Perspektiven eröffnen.
Ein weiteres wichtiges Thema war das Budget für Arbeit. Dieses ist ein Instrument der Eingliederungshilfe und unterstützt den Übergang von Menschen mit Behinderungen, aus Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Durch Lohnkostenzuschüsse von bis zu 75 Prozent für die Arbeitgeber sowie die Finanzierung von Hilfsmitteln am Arbeitsplatz. Das Instrument hat somit das Potential, eine echte Alternative zur Beschäftigung in Werkstätten zu sein und das Thema Inklusion zu stärken.
Auch auf unterschiedliche hilfreiche Vernetzungs-Angebote machte Grote aufmerksam, darunter das Netzwerk der Inklusionsbeauftragten auf LinkedIn, welches Fachwissen bündelt und den Austausch zwischen Betrieben, Politik und Interessenvertretung fördert.
Der Austausch mit Annetraud Grote war intensiv und praxisnah. Für die Vertreter der Schwerbehindertenvertretungen wurde erneut deutlich, dass Inklusion klare gesetzliche Instrumente, engagierte Netzwerke und vor allem Menschen mit Haltung braucht.
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