Gewerkschaftsgeschichte

IG Metall Wolfsburg ehrt langjährige Mitglieder bei Jubilarfeier im CongressPark

20.10.2025 | Wolfsburg/ Helmstedt/ Gifhorn – Die IG Metall Wolfsburg hat am 18. Oktober 2025 im CongressPark 3.000 langjährige Mitglieder der Jahrgänge 1950 bis 1985 gewürdigt und zentrale Errungenschaften der Gewerkschaftsgeschichte gefeiert. Nadine Boguslawski, Hauptkassiererin der IG Metall, hielt die Festrede und hob eindrucksvoll die Bedeutung von Solidarität, gewerkschaftlicher Tradition für Arbeitsplatzsicherheit und sozialer Gerechtigkeit hervor. Während des Empfangs sorgten Comedy-Künstler mit unterhaltsamer Tischzauberei für Witz und gute Laune.

Jubilare, die seit 40 Jahren Mitglied der IG Metall sind. Foto: Lars Landmann

Die Veranstaltung ehrte Jubilarinnen und Jubilare mit Mitgliedschaften von 40, 50, 60, 70 und 75 Jahren, und setzte damit ein Zeichen des Respekts für lebenslange Gewerkschaftsbindung. Die Geschäftsführer der IG Metall Wolfsburg, Flávio Benites, Christian Matzedda und Matthias Disterheft, begrüßten rund 1.000 Gäste, die der Einladung der IG Metall Wolfsburg in den CongressPark persönlich gefolgt waren. Sie stellten klar: „Diese Feiern gehören zu unseren liebsten, denn sie bieten die Gelegenheit, die Menschen kennenzulernen, die unsere IG Metall zu dem gemacht haben, was sie heute ist.“ In seinen Grußworten machte der Erste Bevollmächtigte, Flávio Benites, darüber hinaus deutlich, wie sehr jede und jeder Einzelne auch in Zukunft gebraucht wird. Denn: Die Zeiten der Sozialpartnerschaft seien größtenteils vorbei. "Die Auseinandersetzung mit Unternehmensleitungen sind eklatant – Rituale und Spielregeln werden nicht mehr eingehalten. Die IG Metall fordert deshalb eine umfassende Reform der Mitbestimmungsgesetze, um Betriebsräte zu stärken und Beschäftigtenrechte auszubauen. Es brauche eine Modernisierung von Gesetzen, die größtenteils aus dem 1970ern stammen, um dem neuen betrieblichen Alltag mit Digitalisierung, Transformation und ökologischer Nachhaltigkeit gerecht werden zu können. Die Zeiten sind turbulent und bei allem, was wir in den letzten Monaten erlebt haben, steht fest: Gewerkschaften und Betriebsräte brauchen mehr Gestaltungsmacht bei Standortentscheidungen, Beschäftigungssicherung und Qualifizierungsmaßnahmen.“

In ihrer Festrede verband Nadine Boguslawski vom IG Metall-Vorstand historische Rückblicke auf die Nachkriegsjahre, das Wirtschaftswunder und tarifpolitische Erfolge mit aktuellen Forderungen nach Investitionen in Infrastruktur, Bildung und sozialer Sicherung. Sie erinnerte an die Rolle der Gewerkschaften beim Wiederaufbau demokratischer Strukturen nach 1945 und bei der Verteidigung von Grundrechten.

Zur historischen Verantwortung sagte sie: „Am 8. Mai 1945 wurde Realität, worin so viele Menschen ihre Hoffnung setzten: Die Befreiung von Faschismus und Diktatur.“ Sie hob den Mut von Mitgliedern in der Nachkriegszeit hervor, die mit dem Wiederaufbau von Gewerkschaften begonnen haben – in Wolfsburg zu dieser Zeit eine besondere Herausforderung. Die Entwicklung Wolfsburgs sei eng mit Volkswagen verknüpft: „Aus einer halbfertigen Musterstadt mit Barackensiedlungen hat sich eine der dynamischsten Regionen Deutschlands und eine außergewöhnlich lebenswerte Stadt entwickelt. Neue Arbeitsplätze sind entstanden, sodass die Volkswagen AG im Jahr 1985 über 100.000 Menschen in Deutschland beschäftigte. Das spiegelt sich auch in der Zahl unserer 40-jährigen Jubilarinnen und Jubilare. Hier in Wolfsburg sind das über 2.300.“  Wirtschaftlicher Erfolg und gute Arbeitsbedingungen seien demnach kein Zufall, sondern das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen von Vielen.

Zum sozialen Fortschritt durch Tarifpolitik erklärte sie: „In den Tarifrunden der Metall- und Elektroindustrie konnten zwischen 1950 und 1959 Lohnsteigerungen von über 70 Prozent erkämpft werden. In der Arbeitszeit wurde 1966 die 40-Stunden-Woche erkämpft. Zu dieser Zeit haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht, den technischen Fortschritt zur Humanisierung der Arbeit in der Produktion zu nutzen.“ Boguslawski schlägt die Brücke zur Gegenwart: „Genau das wäre auch heute der richtige Weg.“ Zu den Grundlagen des Wohlstands sagte sie: „Unsere Tarifverträge regeln nicht nur Entgelte, sondern gestalten die Arbeit von Morgen und sichern unseren Lebensstandard.“ Wir brauchen „Attraktive Produkte, erschwingliche Preise und den Glauben an eine gute Zukunft.“  Mit der Stärkung der Kaufkraft und Investitionen in die Zukunft könne unser Land wieder auf Vordermann gebracht werden.

Zu den aktuellen politischen Herausforderungen zählt Boguslawski den Einsatz der IG Metall für „Arbeit, von der man leben kann“, für „Perspektiven im Wandel“, für „Bildung und Ausbildung der nachfolgenden Generationen“ sowie „sichere und existenzsichernde Renten“, und die Haltung zu Frieden, Vielfalt und gegen Rechtsradikalismus. Die IG Metall habe sich immer auch für soziale Gerechtigkeit starkgemacht, stellte sie unmissverständlich klar: „Wer die aktuellen Krisen nur als Chance erkennt, um die sozialen Errungenschaften zu beschneiden, der muss mit dem erbitterten Widerstand der gesamten IG Metall rechnen. Das gilt ganz speziell für diejenigen am rechten Rand, die unsere Kolleginnen und Kollegen aufs Glatteis locken und vermeintlich einfache Lösungen anbieten. Wir müssen den Rechtspopulisten entgegentreten.“ Gewerkschaftsmitglied sein und AfD wählen, passe nicht zusammen.

Die Verteidigung der Grundrechte ist kein nostalgisches Ritual – sie ist ein lebendiger Auftrag, der jeden Tag neu erfüllt werden muss, machte Boguslawski klar: „Gerade in Zeiten, in denen demokratische Prinzipien unter Druck geraten, ist es entscheidend, sich klar zu positionieren. Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz sind keine Selbstverständlichkeit. Sie wurden erkämpft – oft unter großem persönlichen Risiko. Die Auseinandersetzung um die Notstandsgesetze in den 1960er Jahren zeigt, wie wachsam Gewerkschaften damals waren. Boguslawski erinnerte daran: „Es ging darum, unter bestimmten Umständen Grundrechte außer Kraft zu setzen … Das rief heftige Gegenwehr auch bei den Gewerkschaften hervor.“

Für die Gegenwart und Zukunft formulierte die Festrednerin: Demokratisches Engagement, soziale Gerechtigkeit, tarifliche Errungenschaften und gerechte Arbeitsbedingungen bilden die Grundlage, um den aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Das Engagement langjähriger Mitglieder ist dabei von großer Bedeutung für die kommenden politischen Auseinandersetzungen und hat dazu geführt, dass die IG Metall Wolfsburg heute die größte Geschäftsstelle in der gesamten Bundesrepublik ist. Nadine Boguslawski dankte abschließend allen Mitgliedern, die der IG Metall die Treue gehalten haben und ruft zu weiterer Solidarität und aktiver Mitgestaltung auf: „Eure Lebensleistung ist uns allen Mahnung und Auftrag, nie innezuhalten und weiter für gute Lebens- und Arbeitsbedingungen einzutreten. Auch für die Zukunft gilt es, diese Stärke in die Waagschale zu werfen.“

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