Lohnlücke schließen

IG Metall fordert verbindliche Regeln und klare Konsequenzen

26.02.2026 | Der Equal Pay Day 2026 fällt auf den 27. Februar – und auch wenn das Datum leicht nach vorne rückt: Der Weg zur tatsächlichen Entgeltgleichheit bleibt lang. Der Aktionstag markiert symbolisch den Zeitpunkt, ab dem Frauen im Vergleich zu Männern „anfangen zu verdienen“. Bis dahin arbeiten sie rein rechnerisch 58 Tage unbezahlt.

Foto: iStock/ Serhii Sobolevskyi

Die Lohnlücke beträgt aktuell 16 %, die bereinigte Lücke – bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie – liegt weiterhin bei 6%. Die Entwicklung bleibt damit eindeutig viel zu langsam.

Besonders groß wird die Entgeltlücke, wenn die Familiengründung ins Spiel kommt. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Frauen in dieser Phase häufiger ihre Arbeitszeit reduzieren, mehr Sorgearbeit übernehmen und stärker auf strukturelle Hürden stoßen, die ihre berufliche Entwicklung bremsen. Viele möchten Karriere machen und finanziell unabhängig bleiben, stoßen jedoch auf Rahmenbedingungen, die dies erschweren.

„Diese strukturellen Defizite können wir nicht akzeptieren – genau hier brauchen wir endlich echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betont Susanne Preuk, Vorsitzende des Ortsfrauenausschusses der IG Metall.

Ein zentrales Thema im Jahr 2026 ist die Umsetzung der EU‑Entgelttransparenzrichtlinie (EU 2023/970). Bis zum 7. Juni 2026 muss Deutschland die Vorgaben in nationales Recht überführen. Die Richtlinie verpflichtet Unternehmen unter anderem zu klaren, nachvollziehbaren Vergütungsstrukturen, Gehaltsangaben im Recruiting, individuellen Auskunftsrechten, regelmäßigen Berichten sowie gemeinsamen Entgeltbewertungen bei auffälligen Abweichungen – inklusive wirksamer Durchsetzungsmechanismen und Sanktionen.

Ein Blick nach Spanien zeigt, wie stark Transparenz wirken kann: Lohnregister, Prüfpflichten und strenge Sanktionen gehören dort zum Standard. Verstöße können dort als schwere Ordnungswidrigkeiten geahndet werden. Das schafft Verbindlichkeit und Druck, die in Deutschland bislang fehlen.

Währenddessen wird hierzulande gern darüber diskutiert, ob wir „mehr arbeiten“ müssten und ob es „Lifestyle‑Teilzeit“ gebe. Diese Sicht blendet aus, dass Vereinbarkeit oft nicht am Willen der Beschäftigten scheitert, sondern an fehlenden Betreuungsplätzen, starren Arbeitszeitmodellen und unzureichender öffentlicher Infrastruktur. Frauen sind davon besonders betroffen – und gleichzeitig wünschen sich heute viele Männer mehr Zeit für ihre Familien. Moderne Vaterschaft heißt: Verantwortung teilen. Damit das möglich wird, müssen Politik und Arbeitgeber Strukturen schaffen, die genau das zulassen.

Ein wirksames Instrument bleibt die Tarifbindung. In tarifgebundenen Betrieben fällt der Gender Pay Gap nachweislich geringer aus als in Betrieben ohne Tarifvertrag – sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor. Wo klare Regeln gelten, profitieren alle.

Die IG Metall erinnert daran, dass gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit längst politisch und rechtlich verankert ist – beispielsweise in den Gleichstellungszielen der Vereinten Nationen oder im deutschen Entgelttransparenzgesetz. Entscheidend ist nun, Wirksamkeit zu schaffen: Betreuungsinfrastruktur ausbauen, Vereinbarkeit fördern, Teilzeitfalle entschärfen, Aufstiegschancen öffnen – und Tarifbindung stärken.

„Die EU‑Richtlinie ist ein Fortschritt – aber wir brauchen in Deutschland auch eine Gesetzgebung mit echten Sanktionen“, sagt Sandra Bollen von der IG Metall Wolfsburg. „Der Equal Pay Day 2026 ist weniger ein Rückblick als ein Auftrag: Jetzt geht es darum, ein wirksames Instrument zu schaffen. Auch müssen Transparenz garantiert, strukturelle Unterschiede sichtbar gemacht und Ungleichbehandlung konsequent sanktioniert werden. Damit sich der Stichtag weiter nach vorne verschiebt – mit dem Ziel, ihn irgendwann nicht mehr zu brauchen und es heißt: Equal Pay Day every day!“

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