Solidarisch gegen Kahlschlag und Giftliste

IAV-Belegschaft demonstriert Zusammenhalt

12.05.2026 | Erst vor wenigen Tagen wurde die IAV-Belegschaft durch die Unternehmensführung mit Plänen konfrontiert, die massiven Personalabbau und erhebliche tarifliche Eingriffe vorsehen.

Die vom Management vorgelegte „Giftliste“ umfasst nicht nur die Schließung des Standortes Berlin und den Abbau von 1400 Arbeitsplätzen in Deutschland, sondern unter anderem auch die Kürzung der Urlaubstage auf 25 Tage sowie die Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden. Eine nachvollziehbare Antwort darauf, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll und welche Perspektiven daraus für Beschäftigung, Standorte und Kompetenzen entstehen, bleibt das Unternehmen hingegen weiterhin schuldig. Der Vorstand versucht dennoch, diese Kahlschlagpläne als Zukunftskonzept zu präsentieren – bleibt aber genau jene belastbare Zukunftsperspektive schuldig, auf die die IAV-Belegschaft und die Arbeitnehmervertretung seit fast einem Jahr wartet.

Doch der erste Schock währte nicht lange. Bereits am heutigen Dienstag demonstrierte die IAV-Belegschaft gemeinsam mit der IG Metall standortübergreifend Entschlossenheit und Zusammenhalt. Die Botschaft an die Unternehmensführung war unmissverständlich: Zukunft entsteht nicht durch Kahlschlag.

Der regnerischen Kulisse trotzend, machten am Dienstag zahlreiche Kolleginnen und Kollegen in Gifhorn ihrem Ärger während einer aktiven Mittagspause Luft. An den weiteren IAV-Standorten fanden zeitgleich ähnliche Proteste statt. Per Live-Schalte waren die Standorte miteinander verbunden; die Beiträge wurden fortlaufend zwischen den einzelnen Belegschaften hin- und hergeschaltet. Die Beschäftigten sendeten damit ein klares Signal des Zusammenhalts und der Solidarität – insbesondere mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Berlin. Dabei wurde deutlich: Die Standorte werden sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.

Katja Brammertz, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, betont: „Was uns hier als Zukunftskonzept verkauft werden soll, hat diesen Namen schlichtweg nicht verdient. Seit acht Monaten warten die Kolleginnen und Kollegen auf tragfähige Lösungen – und noch immer fällt dem Management nichts anderes ein als Kürzungen bei Personal und Tarifvertrag. Transformation darf jedoch nicht allein auf dem Rücken der Beschäftigten organisiert werden. Als IG Metall und Interessenvertretung der Beschäftigten verschließen wir uns notwendigen Veränderungen nicht. Wir wissen, dass sich die Automobil- und Entwicklungsbranche in einem tiefgreifenden Wandel befindet und dass auch IAV Antworten auf neue technologische, wirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen finden muss. Gerade deshalb braucht es mehr als kurzfristige Einsparziele. Wer heute Personal abbaut, ohne verbindlich zu erklären, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll, gefährdet nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Know-how, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit.“

Betriebsrat und IG Metall haben in den Verhandlungen immer wieder deutlich gemacht, dass sie bereit sind, Verantwortung auch für den Fortbestand des Unternehmens zu übernehmen. Doch wer von Beschäftigten Beiträge zur Transformation erwartet, muss im Gegenzug klare, langfristige und verbindliche Zusagen machen: zu Standorten, zu Zukunftsfeldern, zu Qualifizierung, zu Beschäftigungsperspektiven und zu fairen Arbeitsbedingungen.

Die Metallerin weiter: „Die Kolleginnen und Kollegen haben IAV über Jahre und Jahrzehnte getragen, entwickelt und geprägt. Sie leben und lieben dieses Unternehmen – über alle Standorte hinweg. Dieses Engagement ist kein Kostenfaktor, den man beliebig kürzen kann, sondern eine zentrale Voraussetzung dafür, dass IAV auch morgen noch erfolgreich sein kann.“

Ein Personalabbau kann – wenn er tatsächlich unvermeidbar sein sollte – nur unter den Grundsätzen der Sozialverträglichkeit, Transparenz und Fairness erfolgen. Das bedeutet auch: Beschäftigte dürfen nicht durch zunehmenden Druck, schlechtere Bedingungen oder fehlende Perspektiven faktisch aus dem Unternehmen gedrängt werden. Ein solcher Kurs würde das Arbeitsklima vergiften und Vertrauen dauerhaft beschädigen. Die vorgelegte Giftliste weist jedoch genau in diese Richtung.

Brammertz untermauert die Ziele der Arbeitnehmervertretung: „Unser Anspruch ist klar: Wir wollen keine Blockade, sondern eine echte Zukunftsvereinbarung. Wir wollen eine Transformation, die Beschäftigte mitnimmt, statt sie zu verunsichern. Wir wollen Investitionen in Qualifizierung, neue Geschäftsfelder und belastbare Standortperspektiven. Und wir wollen verbindliche Zusagen, dass der Beitrag, den die Beschäftigten bereit sind zu leisten, nicht nur eingefordert, sondern auch anerkannt und abgesichert wird. Dafür werden wir uns weiterhin mit Nachdruck einsetzen – im Interesse der Kolleginnen und Kollegen und im Interesse einer starken, zukunftsfähigen IAV.“

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