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Gifhorner IG Metall-Liste holt absolute Mehrheit bei unternehmensweiter Betriebsratswahl

29.05.2026 | Bei den erstmals standortübergreifend durchgeführten Wahlen beim IT-Unternehmen holte die Gifhorner Liste 10 der 17 Sitze.

Die IG Metall-Fraktion des neuen Betriebsrates bei HCL

Großer Erfolg für die Metallerinnen und Metaller von HCL Tech am Standort Gifhorn: Bei den erstmals unternehmensweit an allen deutschen Standorten durchgeführten Betriebsratswahlen konnte die IG Metall Liste aus Gifhorn in enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus Berlin und Osnabrück 58,8 Prozent der Stimmen erzielen und damit 10 von insgesamt 17 Sitzen im Betriebsrat gewinnen. Die IGM-Listen aus Gifhorn und Osnabrück setzten sich damit deutlich gegen die konkurrierenden Listen durch. 

Die Wahlbeteiligung lag mit rund 60 Prozent auf einem bislang unerreichten Niveau bei HCL Tech. Bei den vergangenen Wahlen hatte noch fast jeder Standort seinen eigenen Betriebsrat gewählt. Eine IG Metall Mehrheit war dabei die Ausnahme. Nur in Gifhorn und in Osnabrück hatten die Kandidaten der IG Metall bisher die Oberhand. Dass nun ein unternehmensweiter Betriebsrat gewählt wurde, liegt an einem kürzlich abgeschlossenen Strukturtarifvertrag. Die Initiative für diese Vereinbarung zwischen IG Metall und Unternehmen kam aus Gifhorn. Dort wurde der ursprüngliche Gedanke zu einem Strukturtarifvertrag im Kreise der Vertrauensleute und der IGM-Mitglieder thematisiert, da ein unternehmensweiter Betriebsrat Vorteile für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bringt und einer Fragmentierung des Unternehmens entgegenwirkt. Vor allem an den Standorten in Süddeutschland blickten die bisherigen Betriebsräte allerdings kritisch auf den Vertrag und die Gewerkschaft im Allgemeinen.

Trotz dieses Widerstandes gelang es der Gifhorner Liste nun unternehmensweit dieabsolute Mehrheit der Stimmen einzufahren. Ein Erfolg, der noch bemerkenswerter wird, wenn man sich die Verteilung der Beschäftigtenzahlen vor Augen führt: Von den rund 1500 Beschäftigten arbeiten rund 400 in Gifhorn. Das entspricht nur gut einem Viertel.

Dem Wahlsieg vorausgegangen war ein intensiver Wahlkampf. Das Erfolgsgeheimnis? Nähe und Transparenz. Betriebsratsmitglied David Krala erklärt: „Wir sind den Wahlkampf eigentlich genauso angegangen, wie wir unsere bisherige Betriebsratsarbeit gestalten: Mit vielen persönlichen Gesprächen und dem Aufzeigen der vielen guten Argumente, die für eine starke IG Metall sprechen. Besonders bei den vielen Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland, die bei HCL tätig sind, waren die Benefits der IG Metall oft noch völlig unbekannt.“ Mit täglichen Newslettern und Videos auf einer eigenen Website sowie etlichen persönlichen Anrufen wurden die Beschäftigten an allen Standorten detailliert informiert und motiviert, an der Wahl teilzunehmen.

Für die Arbeit des neuen, unternehmensweiten Gremiums hat man sich nun einiges vorgenommen. Listenführer Sascha Etzrodt, vorher bereits Betriebsratsvorsitzender in Gifhorn, nennt die Ziele: „An aller erster Stelle steht für uns gerade in diesen unsicheren Zeiten die Arbeitsplatzsicherheit an allen Standorten. Zudem streben wir nach dem Strukturtarifvertrag auch einen eigenen Haustarifvertrag an. Ein großes und neues Thema ist zudem der Umgang mit den vielen Expats im Unternehmen, also den Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland wie beispielweise Indien. Diese werden beim On- und auch Offboarding leider vom Unternehmen größtenteils allein gelassen. Das darf so nicht bleiben, diese Situation wollen wir deutlich verbessern. Dafür ist es wichtig, dass wir den Organisationsgrad möglichst weiter steigern und im neuen Gremium alle an einem Strang ziehen. Auch wenn der Wahlkampf teilweise mit harten Bandagen geführt wurde: Jetzt ist nach der Wahl und wir wollen mit allen Kolleginnen und Kollegen im Betriebsrat konstruktiv und im Sinne aller Beschäftigten an allen Standorten zusammenarbeiten.“

Für Vertrauenskörperleiterin Caroline Pawlonka, jetzt auch Betriebsrätin, ist das Votum das Ergebnis der guten Arbeit, die die Mitbestimmung in Gifhorn abgeliefert hat. „In den drei letzten Jahren hat sich hier sehr viel entwickelt. Mit akribischer Arbeit konnten wir die Mitgliederzahlen im Betrieb extrem steigern und dadurch letztlich die Arbeitsbedingungen verbessern, die Auswirkungen des auch bei HCL leider unvermeidbaren Stellenabbaus abfedern und zuletzt sogar einen Strukturtarifvertrag aushandeln. Das wird auch an anderen Standorten wahrgenommen. Das Wahlergebnis ist deswegen auch ein klares Zeichen dafür, dass der Strukturtarifvertrag von der Mehrheit der Beschäftigten befürwortet wird.“

Das Ergebnis der Betriebsratswahlen ist für die IG Metall auch über Gifhorn hinaus ein großer Erfolg. Denn IT-Unternehmen, zumal wenn sie zu internationalen Großkonzernen gehören, sind bisher eher selten gewerkschaftlich organisiert. Zudem ist HCL mitnichten eine kleine Nummer. Als Teil eines indischen Großkonzerns ist das Unternehmen für eine Reihe von Big Playern wie Volkswagen, Airbus, Adidas oder die Deutsche Bank tätig. Betriebsratsmitglied Patrick Kohl erklärt: „Mit der Wahl haben wir gezeigt, dass die IG Metall auch in einem internationalen IT-Großkonzern Fuß fassen kann und erhalten als Mitbestimmung Einfluss in strategisch bedeutenden Wirtschaftsfeldern.“

Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es allerdings noch: Ein Teil der vor der Wahl amtierenden Betriebsräte an den süddeutschen Standorten zweifelt die Rechtmäßigkeit des Strukturtarifvertrags - und damit die Grundlage der unternehmensweiten Wahlen - an und hat geklagt. Die IG Metall sieht diesen Schritt als unnötiges und kontraproduktives Nachtreten. Was das Gerichtsverfahren angeht, ist die Gewerkschaft optimistisch. Schließlich sind die Kläger bereits mit zwei Eilverfahren zum Stoppen der Wahlen vor Gericht gescheitert. Anwalt Deniz Ciynakli, der die Gifhorner Liste im Verfahren vertritt, erklärt: „Ich glaube wir haben gute Chancen. Denn die entscheidende Frage für das Gericht ist, ob ein unternehmensweiter Betriebsrat bei HCL sinnvoll ist und den Beschäftigten einen Mehrwert bietet. Gerade bei einem Unternehmen wie HCL, das über eine moderne und streng hierarchische Matrixstruktur gesteuert wird und Teil eines internationalen Großkonzerns ist, ist dies aus unserer Sicht klar der Fall.“

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