SEIT NOVEMBER 2025 VERHANDELN IG METALL UND VW

Ein neues Entgeltsystem für die Volkswagen AG

30.07.2026 | Für die Beschäftigten bei Volkswagen geht es in den kommenden Monaten um eine Frage, die sehr konkret ist: Wie wird ihre Arbeit künftig bewertet? Der Ausgangspunkt liegt im Tarifkonflikt 2024. Damals hatte der Vorstand von Volkswagen einen knallharten Kurs eingeschlagen. Mehrere Werke sollten dauerhaft geschlossen werden, Zehntausende Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Zusätzlich verlangte die Arbeitgeberseite eine dauerhafte pauschale Kürzung der Entgelte um 10 Prozent. Auch weitere tarifliche Leistungen standen zur Disposition.

Am Ende kam es anders. IG Metall, Betriebsrat und Belegschaft verhinderten Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen. Möglich wurde das, weil die Beschäftigten an den Standorten geschlossen Druck machten und an mehreren Tagen die Arbeit stundenweise niederlegten. Das Tarifergebnis war trotzdem kein leichter Abschluss. Es brachte Einschnitte, die viele Kolleginnen und Kollegen spüren. Zugleich wurde die Beschäftigungssicherung wieder in Kraft gesetzt. Sie ist bis mindestens Ende 2030 unkündbar. Sollte danach keine Anschlussregelung zustande kommen, muss Volkswagen eine Milliarde Euro an die Belegschaft zahlen. Ein Bestandteil des Tarifergebnisses von 2024 ist auch die Neugestaltung des Entgeltsystems. Das ist ein arbeitskostenwirksamer Beitrag, der sich rauswächst – aber eben kein pauschaler Schnitt mit dem Rasenmäher.

Dass Volkswagen ein neues System braucht, hat mit der Geschichte des Konzerns zu tun. Das heutige Entgeltsystem ist über Jahrzehnte gewachsen. Inzwischen gibt es mehr als 6000 Arbeitssysteme und 167 Tätigkeitsbeschreibungen. Die bis heute bestehende Trennung zwischen Lohn und Gehalt folgt einer Arbeitswelt, in der Produktion, Verwaltung, Planung oder Entwicklung noch deutlich klarer voneinander getrennt waren. Diese Arbeitswelt gibt es so nicht mehr. In der Fertigung wird digitaler gearbeitet, technische Aufgaben verändern sich, Logistik und Produktion greifen enger ineinander, Verwaltung und Entwicklung sind ebenfalls im Wandel. Viele Tätigkeiten passen nicht mehr sauber in die alten Kategorien.

Künftig soll es ein gemeinsames Entgeltsystem für alle tariflich Beschäftigten geben. Entscheidend sollen die Anforderungen der Arbeit sein: notwendige Qualifikation, Schwierigkeit der Tätigkeit, Verantwortung, Freiheiten und Entscheidungsspielräume. Damit sollen Eingruppierungen vergleichbarer und besser nachvollziehbar werden.

Im Zentrum steht der Funktionskatalog. Er soll die bisherigen Arbeitssysteme und Tätigkeitsbeschreibungen ablösen. Eine Funktion beschreibt grundsätzlich gleichwertige Arbeitsaufgaben, unabhängig davon, in welchem Bereich oder an welchem Standort sie anfallen. Ergänzt wird der Katalog durch konkrete Arbeitsaufgaben- oder Stellenbeschreibungen. So soll das System einfacher werden, ohne die Unterschiede in der Arbeit unter den Tisch fallen zu lassen.

Betroffen sind alle tariflichen Beschäftigten beim Autobauer. Der Volkswagen-Haustarifvertrag gilt für die Beschäftigten der Volkswagen AG in Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg. Das neue Entgeltsystem soll außerdem bei Volkswagen Financial Services, Volkswagen Immobilien und dx.one angewendet werden. Auch die drei sächsischen Standorte Chemnitz, Dresden und Zwickau werden einbezogen. Es geht bei der Neugestaltung des Entgeltsystems immerhin um einen der größten Firmentarifverträge in Deutschland.

Für die Beschäftigten bleibt eine Frage zentral: Was passiert mit meinem Entgelt? Die tarifliche Antwort darauf ist eindeutig. Durch die Einführung des neuen Entgeltsystems wird niemand beim tariflichen Monatsentgelt schlechter gestellt. Wer nach der neuen Eingruppierung höher liegt, bekommt mehr. Wer bisher über dem neuen Wert liegt, behält die Differenz als tarifdynamischen Besitzstand. Sie wird weiter monatlich gezahlt. Ab dem Start des Systems kann dieser Besitzstand mit künftigen Entgelterhöhungen teilweise verrechnet werden. Ein Ausgleich für Inflation bleibt gewährleistet.

Gearbeitet wird an der Neugestaltung des Entgeltsystems seit dem Frühjahr 2025. Das Projekt ist paritätisch besetzt und standortübergreifend angelegt. In technischen Kommissionen arbeiten betriebliche sowie hauptamtliche Expertinnen und Experten täglich. Das sind Projekt- bzw. Arbeitsgruppen mit Fachleuten, die einzelne Bausteine des neuen Systems entwickeln. Dabei geht es zunächst noch nicht darum, konkrete Entgelte festzulegen. Im Mittel punkt steht zuerst der Aufbau des Systems: Welche Arbeitsaufgaben und damit verbundenen Funktionen gibt es? Nach welchen Kriterien werden Tätigkeiten bewertet? Wie sollen unterschiedliche Anforderungen vergleichbar gemacht werden?

Man kann sich diesen Prozess wie ein großes Puzzle vorstellen. Jede Arbeitsgruppe erarbeitet ein wichtiges Puzzlestück. Erst in den Verhandlungen zeigt sich, ob und vor allem wie alle Teile zusammenpassen, damit daraus ein stimmiges Gesamtsystem entstehen kann. Genau dort liegen Konflikte zwischen IG Metall und Volkswagen, die es zu lösen gilt. Solange aber nicht alle wesentlichen Bausteine verhandelt und zusammengeführt sind, wäre eine detaillierte Kommunikation wenig sinnvoll, manchmal überholt oder teilweise sogar irre führend. Denn Inhalte können und werden sich im laufenden Prozess noch regelmäßig verändern.

Nach der Sommerpause 2026 soll die Umsetzungsphase des neuen Entgeltsystems beginnen. Dies stellt sich mit der betrieblichen Einstufung der Funktionen sowie der betrieblichen Eingruppierung der Beschäftigten dar. Diese Phase ist die Vorbereitung des Übergangs vom bisherigen zum künftigen Entgeltsystem. Ziel ist, die neue Systematik geordnet, nachvollziehbar und transparent umzusetzen. Das neue Entgeltsystem soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. 

Die IG Metall informiert im Internet auf www.igm-entgelt-bei-vw.de über den Prozess und das Verhandlungsergebnis.

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