IG Metall Wolfsburg
03.12.2025 | Menschen mit Behinderung haben im Beruf zunehmend schlechtere Perspektiven. In 83 Prozent der Betriebe wächst die Unsicherheit – in jedem vierten sogar deutlich.
Das zeigt eine IG Metall-Umfrage unter rund 1000 Schwerbehindertenvertretungen (SBV) zum Welttag der Menschen mit Behinderung (3. Dezember). Nur 5 Prozent berichten von mehr Sicherheit.
Hauptursachen für geringere Perspektiven sind Stellenabbau und Umstrukturierungen in den Unternehmen (84 Prozent). 44 Prozent der Schwerbehindertenvertretungen melden, dass gezielt Arbeitsplätze behinderter Beschäftigter wegfallen. Fast ein Viertel (23 Prozent) kritisiert mangelnde Integration in den Betrieb. Die größten Belastungen für behinderte Beschäftigte sind körperliche Anforderungen (68 Prozent), gefolgt von schlechter Arbeitsorganisation (40 Prozent) – etwa Zeitdruck, unklare Aufgaben oder monotone Tätigkeiten.
"Beschäftigte mit Behinderung gehören zu den ersten Opfern der sich zuspitzenden Krise in den Betrieben. Schwerbehinderte brauchen deshalb gerade jetzt Solidarität und Sicherheit in der Arbeitswelt.", sagt Anna-Katharina Völke, Politische Sekretärin der IG Metall Wolfsburg, die die Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben berät.
Beschäftigung Behinderter: Jeder zweite Betrieb drückt sich vor der gesetzlichen Quote. Völke fordert "einen wirklich inklusiven ersten Arbeitsmarkt für alle“ und spürbare Sanktionen für Betriebe, die nicht genügend Schwerbehinderte beschäftigen. “Es reicht offensichtlich nicht, wenn sich hier Betriebe billig mit einer Ausgleichsabgabe freikaufen können. Wer gesetzliche Teilhaberechte missachtet, muss Konsequenzen spüren.”
Laut der IG Metall-Umfrage erfüllt nur jeder zweite Betrieb (47 Prozent) in ihrem Organisationsbereich die gesetzliche Pflicht zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Mittelgroße Unternehmen mit 100 bis 1000 Beschäftigten halten die vorgeschriebene Quote von mindestens 5 Prozent nur zu 44 Prozent ein. Kleine Betriebe (bis 100 Beschäftigte) und große Unternehmen (über 1000 Beschäftigte) liegen bei 56 Prozent.
„Die tägliche Arbeit mit anderen Menschen ist aber einer der Schlüsselfaktoren für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, macht die Politische Sekretärin der IG Metall abschließend deutlich: „Gerade das wird Menschen mit Behinderung aber immer wieder erschwert oder sogar ganz verwehrt. Manche kommen wegen einer Behinderung gar nicht erst in Arbeit, andere werden aufgrund einer im Laufe des Arbeitslebens erworbenen Behinderung aus der Arbeitswelt gedrängt. Das muss sich ändern.“
Die Online-Befragung erfolgte unter 994 Betrieben mit einer Schwerbehindertenvertretung. Befragungszeitraum war der 10. bis 23.11.2025.
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