AntiFa-Woche

Kranzniederlegung an den Kindergräbern auf dem Rühener Friedhof

10.11.2025 | Rühen – Es ist ein kaum zu ertragender Teil der Wolfsburger und Rühener Geschichte: Ab 1944 wurden in der sogenannten „Ausländerkinder-Pflegestätte Rühen“ die Kinder von Zwangsarbeiterinnen aus dem Wolfsburger VW-Werk untergebracht. Damit die Arbeiterinnen so schnell wie möglich wieder eingesetzt werden konnten, wurden die Säuglinge den Frauen bereits im Alter von wenigen Tagen entrissen.

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Im Rühener Kinderlager fanden die allermeisten dieser Kinder aufgrund von Vernachlässigung und Verwahrlosung schnell einen grausamen Tod. Bis zu 350 Kindern sollen im Rühener Lager gestorben sein.

Lange wurde dieser Teil der Geschichte verdrängt, heute erinnert eine Grabstätte auf dem Rühener Friedhof an die Opfer. Dort gedenkt die IG Metall Wolfsburg schon seit vielen Jahren im Rahmen der Antifa-Woche an die Kinder aus dem Rühener Lager. Auch in diesem Jahr kamen wieder rund 100 Menschen am Sonntag, 9. November, an der Gedenkstätte zusammen und legten Kränze und Trauerkerzen nieder.

„Dieser Ort bedeutet sehr viel für unsere Geschichte, unsere Werte und unsere Haltung“, sagte Flavio Benites, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Wolfsburg. Die Kindergräber stünden exemplarisch für die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Vernichtungsapparat und den blinden Gehorsam im faschistischen Regime. „Wir lassen nicht zu, dass sich die Vergangenheit wiederholt und der Faschismus in unserer Gesellschaft wieder zum Normal wird. Wir glauben an die Menschlichkeit. Das gibt uns die Kraft für eine bessere Zukunft, zu kämpfen und diese zu gestalten. Und dafür werden wir jeden Euch brauchen“, sagte Benites. 

Anke Jentzsch, für den Wohnbezirk Brome, und Florian Hirsch für die Vertrauenskörperleitung bei Volkswagen, stellten die Bedeutung der Erinnerungskultur heraus. „Durch das Erinnern führen wir uns vor Augen, welche Grausamkeiten geschehen, wenn die antidemokratischen Kräfte weiter erstarken und gesellschaftsfähig werden. Aber: Nur wenn wir nichts unternehmen und still sind, können diese Kräfte erfolgreich sein“, mahnte Jentzsch und verbreitete zugleich Zuversicht. „Wer das Geschehen vergisst, der öffnet Hass und Ausgrenzung die Tür. Unsere Erinnerungskultur ist ein Schutzschild“, sagte Florian Hirsch.

Sven Ackenhausen von der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Volkswagen ergänzte: „Hass ist ein Virus. Wir müssen ihn stoppen, bevor er unsere Zivilgesellschaft infiziert. Das Heilmittel heißt Solidarität. Wo Menschen zusammenhalten, hat Hass keine Chance. Das ist kein Ideal, das ist unsere Pflicht, denn die Würde des Menschen wird im Alltag verteidigt.“

Den emotionalen Abschluss der Veranstaltung gestalteten die Konfirmanden, von Probst Ulrich Lincoln aus Rühen und anderen Orten der Umgebung. Sie erzählten die Geschichte der Kinder, die im Lager ihr Leben ließen.

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