IG Metall Wolfsburg
10.11.2025 | Wolfsburg – Mit der traditionellen Kranzniederlegung und Gedenkveranstaltung sowie der anschließenden Lesung „Als wir Maikäfer waren“ von Christoph Heubner hat die IG Metall Wolfsburg am Samstag, 8. November, die 21. Auflage der AntiFa-Woche auf dem Sara-Frenkel-Platz eröffnet. Mit der Veranstaltung, die vom Chor „Gegenwind“ musikalisch begleitet wurde, erinnerten die Gewerkschafter nicht nur an die abscheulichen Verbrechen der NS-Diktatur, sondern leisteten auch einen aktiven Beitrag zur Bewahrung unserer demokratischen Grundwerte für die kommenden Generationen.
Das Pflegen der Erinnerungskultur und das Bekämpfen von faschistischen und totalitären Bestrebungen sei angesichts des erschreckenden Erstarkens des Rechtspopulismus aktuell wichtiger denn je, machte Flavio Benites in seiner Eröffnungsrede deutlich. „Wir alle tragen die Verantwortung, unsere Demokratie zu schützen und dafür zu sorgen, dass sich die Schrecken der Vergangenheit nicht wiederholen. Dafür steht unsere AntiFa-Woche“, so der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Wolfsburg.
„Ich mache mir große Sorgen um unser Land“, sagte Wolfsburgs Oberbürgermeister Dennis Weilmann mit Blick auf die aktuelle politische Entwicklung. „Dass eine rechtspopulistische Partei solche Wahlergebnisse erreicht, ist nicht zu ertragen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir hier in Wolfsburg klar Position beziehen – für Demokratie und Menschenrechte und gegen Hass und Hetze.“
Für die Vertrauenskörperleitung von Volkswagen sprach Luigi Catapano. Er mahnte: „Faschismus beginnt nicht mit Stiefeln, sondern mit Worten und Wegsehen. Im Grundgesetz steht: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘. Das gilt aber nur, wenn wir sie auch verteidigen. Nicht nur heute, sondern an jedem Tag.“
Sara-Frenkel, nach der der Platz des Gedenkens benannt ist, konnte in diesem Jahr leider nicht dabei sein. Sie feiert Ende November ihren 103. Geburtstag. Für sie sprach Antina Schulze von Volkswagen Heritage. Das weltweite Wiedererstarken von Rechtspopulismus und Antisemitismus hätten bei Sara Frenkel Ängste geschürt. Deswegen schaue sie umso erfreuter auf die lebendige Erinnerungskultur in Wolfsburg, berichtete Schulze und überbrachte anschließend die emotionale Grußbotschaft Sara Frenkels: „Erinnert weiter an dem Ort, an dem Erniedrigung geherrscht hat. Vergesst uns nicht und sorgt für eine heile Welt.“
Diesen Appell richtete auch Leon Gebhardt von der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Volkswagen an die rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung. Die Erinnerung an Sara Frenkel und die Zwangsarbeiter sei für uns alle zugleich auch ein eindeutiger Handlungsauftrag. „Lasst uns dafür sorgen, dass Sara und die weiteren Zwangsarbeiter nicht vergessen werden. Damit ihr Leid nicht umsonst war. Lasst uns ihr Leben in unser Handeln tragen und uns gemeinsam für alle Menschen stark machen, die auch heute noch unterdrückt und ausgebeutet werden.“
Im Anschluss ging es zurück ins Gewerkschaftshaus, wo die Besucherinnen und Besucher eine Lesung von Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, erwartete. In seinem Buch „Als wir Maikäfer waren“ hat Heubner Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden, die sie in Gesprächen mit ihm geteilt haben, zusammengetragen. Ein emotionales Werk, das zum Nachdenken und Mitfühlen anregt. Im Vorfeld der Lesung rief auch Heubner dazu auf, unsere Demokratie zu verteidigen – dabei aber stets positiv zu bleiben und nicht zu verzweifeln. Ob im Beruf, in der Öffentlichkeit, im Verein oder leider auch in der Familie – wo wir Ungerechtigkeit, Hass und Hetze begegnen, müssten wir stets widersprechen und dagegen argumentieren. „Die Demokratie ist ein mühsames, aber freudvolles Unterfangen“, sprach Heubner den Zuhörerinnen und Zuhörern Mut zu.
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