BETRIEBSRÄTE-NETZWERK ELEKTROMOBILITÄT

"Weichen frühzeitig für zukunftsfähige Mobilität und sichere Arbeitsplätze gestellt."

Die automobilen Antriebskonzepte werden sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln und verändern. Neben verbrauchsreduzierten Verbrennungsmotoren werden Elektroantriebe eine zunehmende Bedeutung erlangen. Vor diesem Hintergrund hat die IG Metall das Betriebsräte-Netzwerk Elektromobilität gegründet.

In Wolfsburg, Berlin und Hannover sind die ersten Testflotten des Golf Blue-e-motion unterwegs. Er wird ab 2013 in Wolfsburg produziert.

"Die Weichen müssen frühzeitig für eine zukunftsfähige Mobilität und sichere Arbeitsplätze gestellt werden. Ziel des von der IG Metall initiierten Betriebsräte-Netzwerkes Elektromobilität ist es, die Veränderungsprozesse in der Automobilindustrie beschäftigtenorientiert zu gestalten und die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg als 'Schaufenster Elektromobilität' zu etablieren. Neben sicheren Arbeitsplätzen stehen die Aus- und Weiterbildung im Vordergrund", sagt Hartmut Meine, IG-Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Mitglied des Aufsichtsrats der Metropolregion.

Region mit hervorragenden Chancen

Die Metropolregion in Niedersachsen hat hervorragende Chancen, zu einem der fünf bundesweiten Schaufenster der Elektromobilität zu werden. Schon heute vereinigt die Region vielfältige Kompetenzen auf dem Gebiet der Elektromobilität: So werden bei Continental in Gifhorn und bei Bosch in
Hildesheim serienmäßig Motoren für Elektroautomobile gefertigt. In Hildesheim wird demnächst ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Bosch Elektromotoren für den Smart fertigen. Bereits heute fahren Testflotten des Golf "Blue-e-motion" in Wolfsburg und Hannover, auch der Elektro-Caddy wird in der niedersächsischen Landeshauptstadt als Stadtlieferwagen erprobt.

Mit der Produktion des Blockheizkraftwerkes in Salzgitter ist Volkswagen seit Längerem auch auf dem Gebiet der Energieproduktion aktiv. Der Standort von Johnson Controls in Hannover erfährt derzeit einen Aufschwung, da die Batterien für Start-Stopp-Systeme stark nachgefragt werden.

Schaufenster Elektromobilität

Die Gründungsmitglieder des Betriebsräte-Netzwerkes kommen aus insgesamt neun Unternehmen der Automobil- und Automobilzulieferindustrie und vertreten rund 104.000 Beschäftigte in Niedersachsen. Im Netzwerk arbeiten Betriebsräte der Volkswagen-Standorte, von Johnson Controls, Bosch und Continental zusammen.

Das von der Bundesregierung eingerichtete Expertengremium "Nationale Plattform Elektromobilität" will die vielfältigen Feldversuche mit Elektrofahrzeugen in fünf "Schaufenster-Projekten" bündeln. Im Rahmen dieser Projekte sollen Konzepte zu Flottenversuchen, Mietmodellen oder Energieladestrukturen erprobt werden. Ziel ist es, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. Die Aufholjagd Deutschlands bei Elektroautos ist also in vollem Gang.

Da sich die Bundesregierung auf höchstens fünf Schaufenster-Regionen beschränken will, liegt Niedersachsen unter anderem im Wettstreit mit Berlin, Bayern und Stuttgart. Die ausgewählten Regionen sollen Zuschüsse vom Bund von mindestens 200 Millionen Euro erhalten. Das bedeutet nicht nur Prestige, sondern der Zuschlag als Schaufenster sichert Arbeitsplätze für die Zukunft. Anfang 2012 wird darüber entschieden. Das Betriebsräte-Netzwerk Elektromobilität der IG Metall unterstützt diesen Antrag.

Eine Million Elektroautos verbrauchen 0,3 Prozent mehr Strom.

47 Millionen Pkw laufen auf deutschen Straßen. Zwölf Millionen sind Zweit- und Drittfahrzeuge. 80 Prozent aller Fahrten gehen über relativ kurze Distanzen zwischen 20 bis 50 Kilometer. "Das ist ein riesiges Potenzial für E-Mobilität", sagt Kurz Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität. Die Zahlen sind ernüchternd: Zurzeit haben knapp 3.000 Autos einen Elektromotor.

VW will mit der Großserie starten

VW-Chef Martin Winterkorn hatte angekündigt, VW wolle sich weltweit" an die Spitze der Bewegung" setzen. Volkswagen werde der Autobauer sein, der das "Elektroauto für alle" in die Großserie bringe. Ziel sei die "Marktführerschaft in der E-Mobilität bis 2018". Martin Winterkorn: "Wir wollen einen Anteil von drei Prozent Elektrofahrzeugen innerhalb unserer gesamten Angebotspalette erreichen."

Kein Siegeszug

Die Zukunft sieht etwa so aus: Den großen Siegeszug der Elektroautos wird es wohl nicht geben. Auf Mittel- und Langstrecken werden vor allem verbrauchsoptimierte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor laufen, im Stadtverkehr Autos mit Hybridantrieb und Plug-In-Technik. VW-Chef Winterkorn:
"Ich bin überzeugt, dass sich in den Großstädten Elektromobilität langfristig durchsetzt."

In Frankreich fördert der Staat Elektromobilität mit 5.000 Euro pro Fahrzeug. In Deutschland soll der zusätzliche Strom nicht aus den Kernkraftwerken kommen. Sigl hält es für "zwingend erforderlich, dass wir regenerativen Strom nutzen: Wenn 2020 rund eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren, bedeutet das einen Mehrverbrauch von 0,3 Prozent, bezogen auf den gesamten Stromverbrauch hierzulande."

Mehr dazu in der Dezember-Ausgabe des Mitgliedermagazins WIR auf den Seiten 8 und 9 (unten unter "Dateien" als pdf zum Download).

Dateien:
WIR_12-2011_01.pdf(2.0 MB)
Aktuelles, VW, Continental Teves
01.12.2011
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