„Hofer übernimmt keine Verantwortung für Beschäftigte“

  • 24.03.2017
  • Aktuelles, Hofer Getriebetechnik

Wolfsburg – Anfang Februar kam die Nachricht: Der Ingenieursdienstleister Hofer Getriebetechnik schließt seinen Wolfsburger Standort. Die Nachricht allein ist schon schlimm genug für die rund 35 Mitarbeiter gewesen. Doch nun kommt es noch schlimmer: Hofer weigert sich, den Betrieb sozialverträglich abzuwickeln.

„Die Geschäftsführung hat zwar mit uns über einen gesetzlich vorgeschriebenen Interessensausgleich gesprochen. Aber weder das Thema Übernahme der Beschäftigten an anderen Standorten, noch über eine Auffanggesellschaft wollten sie verhandeln. Sie wollen ihre Beschäftigten ohne jede weitere Qualifizierung in den Arbeitsmarkt abschieben. Damit übernehmen sie keinen Funken Verantwortung“, sagt Torsten Felgentreu, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Wolfsburg. „Die Verhandlungen stehen vor dem Scheitern“, sagte er am Freitag.

„Ich möchte noch einmal klarstellen: Es handelt sich nicht um eine Insolvenz, sondern um eine vom Unternehmen gewollte Schließung!“, betonte Felgentreu. Hofer hat mit „Power Train“ eine Zwischengesellschaft installiert, über die alle Aufträge abgewickelt werden. „Als Folge können einzelne Standorte geschlossen werden, ohne das der AG Schaden entsteht. Sie können dadurch, ohne Rücksicht auf ihre Beschäftigten zu nehmen und ohne dass die Kunden etwas mitbekommen, Standorte schließen“, sagte Felgentreu.  

„Wir sind sehr enttäuscht“, sagt auch Betriebsratsvorsitzender Andreas Söhn.  Die Geschäftsführung würde sich kaum bewegen und keine Kompromissbereitschaft zeigen. „Die angebotenen Abfindungen sind weit unter dem Üblichen, selbst bei Insolvenz würde uns mehr zustehen“, sagt Detlev Velten-Sukopp, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. „Das Betriebsverfassungsgesetz hat bei Hofer schon immer einen geringen Stellenwert, Mitbestimmung scheint ein Fremdwort zu sein“, ergänzt Söhn. So sei der Standort Wolfsburg von insgesamt 16 Standorten der einzige mit einem Betriebsrat.  

Offiziell begründet Hofer das Aus mit einer „schwachen Auftragslage mit der daraus folgenden schlechten Wirtschaftslage.“ Hofer hatte in Wolfsburg für VW Getriebe entwickelt und getestet. Die Mitarbeiterzahl war in den letzten Jahren bereits von 55 auf  gesunken - bereits in einer Zeit, als andere Ingenieurdienstler in Wolfsburg vor der Dieselkrise immer noch wuchsen.


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