50 JAHRE ARBEITSMIGRATION

Die Italiener haben das Leben in Wolfsburg seit 1962 mit geprägt

Am 17. Januar 1962, also vor 50 Jahren, trafen die ersten 100 italienischen Gastarbeiter mit dem Zug in Wolfsburg ein, um bei Volkswagen zu arbeiten. Sie stammten vor allem aus Sizilien, Kalabrien, Apulien, Kampanien und aus Sardinien. Dass zumeist italienische Arbeitskräfte nach Wolfsburg geholt wurden, lag auch an den guten Beziehungen des damaligen VW-Chefs Heinrich Nordhoff zur katholischen Hilfsorganisation Caritas, die bei der Auswahl half.

Christian Matzedda (stellv. VK-Leiter und Sprecher der Migrantenvertretung bei Volkswagen Wolfsburg): "Bei den Anwerbeverträgen ging es allein um die Arbeitskraft. Die Gastarbeiter kamen zu dieser Zeit fast ausnahmslos ohne ihre Familien. Integration war damals noch kein Thema."

Bei den damals geschlossenen Anwerbeverträgen ging es allein um die Arbeitskraft und nicht um eine dauerhafte Immigration. Integration war damals noch kein Thema. Die Gastarbeiter kamen zu dieser Zeit fast ausnahmslos ohne ihre Familien. Trotzdem lebten Ende 1962 bereits fast 3.500 Italiener in Wolfsburg, das sich einen Namen als "größte Stadt Italiens nördlich der Alpen" machte.

Rechtzeitig zum Eintreffen der ersten italienischen Arbeitsmigranten entstanden an der Berliner Brücke zahlreiche Unterkünfte, das sogenannte Italienerdorf. Die Einrichtung der Zimmer war in der Regel karg. Etagenbetten, ein Schrank, ein Tisch und vier Stühle, mehr Platz war nicht. Erst 1973 wurden Mindeststandards für die Unterkünfte festgelegt.

Doch trotz aller Widrigkeiten wird für viele Arbeiter aus dem vorübergehenden ein dauerhafter Aufenthalt. Und die allermeisten, die geblieben sind, haben inzwischen Familie und sind in der dritten oder sogar in der vierten Generation voll integriert.

Natürlich partizipieren sie auch am politischen und gesellschaftlichen Leben in Wolfsburg und der Region. Exemplarisch seien dafür nur einige Namen genannt: Lorenzo Annese, der erste italienische Betriebsrat in Deutschland, Rocco Locchiato, der ehemalige VW-Betriebsrat, Rocco Artale, der langjährige Wolfsburger Ratsherr, oder Frank Patta, seit 2007 der 1. Bevollmächtigte der hiesigen IG Metall.

Mehr als 35.000 italienische Arbeiter, zusammen mit ihren Familien rund 60.000 Menschen, kamen insgesamt seit 1962 in unsere Stadt. Heute haben noch etwa 6.500 Einwohner einen italienischen Pass. Sie alle haben das Wolfsburg, das wir heute kennen, mit geprägt und ein Stück italienische Lebensfreude mitgebracht.

Aktuelles, VW, Ausländer
03.02.2012
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