KOLUMNE

Demokratie und Moral

Ein Münchener Meinungsforschungsinstitut hat vor einiger Zeit herausgefunden, dass immer mehr Bürger kein Vertrauen mehr in die gegenwärtige Form von Demokratie setzen. Es wurde auch festgestellt, dass unter den "Demokratie-Müden" besonders viele Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger sind.

Joachim Fährmann

Da scheint es einen logischen Zusammenhang zu geben. Tatsächlich tragen die Finanzkrise und der klägliche Versuch ihrer Bewältigung, das Zahlen der Zeche durch die Betroffenen und nicht durch die Verursacher sowie die Unfähigkeit der Politik, endlich regulierend in die Finanzmärkte einzugreifen, nicht gerade dazu bei, das Vertrauen der Menschen in die Demokratie zu fördern.

Eine Umfrage der Bertelsmannstiftung hat zudem ergeben: Immer mehr Deutsche zweifeln am herrschenden Wirtschaftssystem. Der Kapitalismus verliert stetig an Akzeptanz. Ein Trend, den wohl auch gewiefte PR-Strategen nur schwer wieder umkehren können. Denn die Zweifel haben etwas mit realen Erfahrungen zu tun.

Und wenn es dann noch, wie aktuell beim "Fall Wulff", selbst einer der höchsten Repräsentanten des Landes mit Ethik und Moral nicht so genau nimmt und sich von der Wirtschaft aushalten lässt, dann müssen wir uns eigentlich wundern, dass "Demokratieverweigerung" nicht schon viel weiter um sich gegriffen hat. Die Frage muss also gestellt werden, ob die Zweifel an der Demokratie nicht vor allem etwas mit der Kritik am Kapitalismus zu tun haben.

Bert Brecht schrieb in der Dreigroschenoper: "Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral." Ein Synonym für Machtgier, Egoismus und undemokratisches Handeln. Berliner Politiker sollten mal wieder öfter ins Theater gehen!

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08.02.2012
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