Über das Ibero Netzwerk

Basisnahes deutsch-iberoamerikanisches Gewerkschaftsnetzwerk
Red sindical alemana-iberoamericana desde la base


Die Probleme sind überall gleich, lediglich die Sprache ist anders

Konzerne handeln und denken global, also müssen auch die Gewerkschaften international enger zusammenrücken. Die IG Metall Wolfsburg nimmt dabei wieder einmal eine Vorreiterrolle ein: Sie hat jetzt mit Gewerkschaften aus den Regionen Argentinien, Brasilien, Mexiko, Portugal und Spanien, in denen sich VW-Standorte befinden, eine kooperative Zusammenarbeit vereinbart. Ziel: der Aufbau eines basisnahen deutsch-iberoamerikanischen Gewerkschaftsnetzwerkes.

Frank Patta"Internationale Gewerkschaftsarbeit gewinnt stetig an Bedeutung", erklärt der Bevollmächtigte der IG Metall, Frank Patta (Foto links). Die Probleme seien überall gleich, lediglich die Sprache unterscheide sich. Patta beschreibt, dass auf die VW-Kollegen in Lateinamerika oder Südeuropa der gleiche Druck auf ihre tariflichen Standards herrsche wie in Deutschland. "Neue Einkommensstrukturen nach Art der Job-Families oder die Drohung mit der Arbeitsplatzverlagerung kennt man in Puebla, Anchietta und Pamplona ebenso wie in Wolfsburg oder Emden", sagt er.
Der Kerngedanke des jetzt vereinbarten basisnahen Netzwerkes ist der Informations- und Erfahrungsaustausch. "Internationale Gewerkschaftsarbeit darf nicht länger allein Chefsache sein", fordert Patta. Sie müsse auf die "Arbeitsebene" der Vertrauensleute, Betriebsräte und betrieblichen Experten getragen werden. Deshalb sieht die Vereinbarung jährliche Arbeitstreffen und gemeinsame Bildungsmaßnahmen vor.

Frank Patta und Wolfgang Schulz hatten Gelegenheit, Ende Januar bei einem Seminar in Buenos Aires ihren lateinamerikanischen und südeuropäischen Kollegen den neuen VW-Tarifvertrag zur Zukunftssicherung vorzustellen. Dabei stellte man fest, dass die innovativen Elemente der erweiterten Mitbestimmung des Betriebsrates auch für die internationalen Standorte eine große Bedeutung hätten.

Frank Patta legt Wert auf die Feststellung, dass das jetzt vereinbarte gewerkschaftliche Netzwerk keine Konkurrenz zu Euro- oder Weltkonzernbetriebsrat sei: "Im Gegenteil, es vervollständigt die internationale Gewerkschaftsarbeit." Während in den Betriebsratsgremien die VW-internen Probleme beraten würden, könne man innerhalb des Netzwerkes die Konsequenzen für die gewerkschaftliche Arbeit koordinieren, erläutert er. Außerdem könne die Problematik der Zulieferbetriebe beachtet werden, die immer stärker und direkter Auswirkungen auch auf die VW-Beschäftigten habe.

(Februar 2006)


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